Zeit der Zauberer: Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 - 1929 (German Edition)
6.36311 Daß die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird. 6.37 Einen Zwang, nach dem Eines geschehen müßte, weil etwas anderes geschehen ist, gibt es nicht. Es gibt nur eine logische Notwendigkeit. 6.371 Der ganzen modernen Weltanschauung liegt die Täuschung zugrunde, daß die sogenannten
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Du, Dämon[144] Erst im Wintersemester 1924/1925 erfährt er zum ersten Mal am eigenen Leibe, wovon er bisher nur so mitreißend gesprochen und geschrieben hat: »Noch nie ist mir so etwas geschehen«, gesteht er sich – und nicht nur sich – am 27. Februar 1925 ein: »Das Dämonische hat mich getroffen«.[145] Doch ist es nicht etwa eine in seinen
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Ich hätte mein Leben zum Guten wenden sollen und ein Stern werden. Ich bin aber auf der Erde sitzen geblieben und nun gehe ich nach und nach ein. Mein Leben ist eigentlich sinnlos geworden und darum besteht es nur mehr aus überflüssigen Episoden. Meine Umgebung merkt das freilich nicht und verstünde es auch nicht; aber ich weiß, daß es mir am
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Der extrem dichte und bis heute als eines der Hauptwerke Benjamins gefeierte Text mit dem Titel »Goethes Wahlverwandtschaften«[113] gibt sich das Gewand einer klassischen Romaninterpretation. In Wahrheit aber unternimmt Benjamins Auseinandersetzung mit Goethes Roman – wie mutmaßlich Goethes Roman selbst – eine denkbar umgreifende Kritik, man könnte
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Die explizite Ablehnung der Rolle als akademische Philosophen ist ein wesentliches Element ihrer Selbstbeschreibung.
Wolfram Eilenberger • Zeit der Zauberer: Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 - 1929 (German Edition)
Das Ideal einer lebensweltlichen Umsetzung des eigenen Denkens – in seiner reinsten Form verkörpert von der Gründungsgestalt des Sokrates – unterscheidet ferner das Philosophieren von anderen Erkenntniswegen, wie etwa denen der Naturwissenschaften oder auch der Kunst. Philosoph sein ist eine Weise, das eigene Leben bewusst zu führen, ihm durch
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07.09.2023
Die Aufgabe des Übersetzers … besteht darin, diejenige Intention auf die Sprache, in die übersetzt wird, zu finden, von der aus ihr das Echo des Originals erweckt wird. … Die Übersetzung … ruft … das Original hinein (in den Wald der eigenen Sprache) an demjenigen einzigen Orte hinein, wo jeweils das Echo in der eigenen den Widerhall eines Werkes
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Benjamin
Entscheidet man sich nämlich für die Gabelung der »absoluten Sachlichkeit« und überlässt die Frage nach dem »es gibt« damit den Naturwissenschaften, droht der Philosophie das gleiche Schicksal, das auch Wittgenstein diagnostiziert: Sie wird überflüssig, kann sich im besten Falle als dienende Magd der Naturwissenschaft verstehen. Im schlechtesten
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Exakt zehn Jahre später wird Heidegger an gleicher Stelle behaupten, seine gesamte Philosophie kreise um nichts anderes als die Frage nach dem Sinn des Wortes »Sein«.